Papa wird Feuerwehrmann

Seit Kurzem ist der Hausherr offiziell Feuerwehrmann. Nicht beruflich, sondern so nebenbei, bei der Freiwilligen Feuerwehr unseres Dörfchens. Das ist einer der Gründe, warum unser Hausumbau so viele Wochen auf Eis lag, denn die Ausbildung ist zeitaufwändiger als ich jemals gedacht hätte. Was ich noch so alles Neues erfahren habe über dieses Ehrenamt, das mir vorher völlig fremd war, will ich euch erzählen.

Also fangen wir mal ganz vorne an. Wenn du als Fremder neu in einen kleinen Ort ziehst, hast du am Anfang folgendes Problem: alle kennen dich, nur du selber kennst niemanden. Um dieses Defizit zu beheben und die anderen Dorfbewohner kennenzulernen, gibt es nicht viele Möglichkeiten: man kann an den Dorffesten teilnehmen, regelmäßig den Gottesdienst und/oder die Dorfkneipe besuchen und man kann einem der wenigen ortsansässigen Vereine beitreten. Wir haben mit den Dorffesten angefangen. Dort ist es dann passiert – der Papa kam ins Gespräch und wurde schließlich eingeladen, der Feuerwehr beizutreten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war meine Vorstellung von der Freiwilligen Feuerwehr relativ naiv. Ich dachte, man trifft sich einfach regelmäßig dort im Feuerwehrhaus, trinkt ein Bierchen und lernt von den Kameraden alles, was man für den Einsatz wissen muss. Aber so einfach läuft das nicht! Am Anfang steht eine Grundausbildung, die sich über 5 (!) Wochenenden hinzieht. In praktischen und theoretischen Ausbildungsteilen lernen die Teilnehmer alles, was ein freiwilliger Feuerwehrmann so wissen muss – von Erste Hilfe über Knotenlehre bis Leitern korrekt aufstellen.

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Am Ende dieses ganzen Lehrgangs muss eine Prüfung abgelegt werden. Wenn man diese Prüfung erfolgreich bestanden hat, steigt man vom Feuerwehrmannanwärter zum Feuerwehrmann auf. Die Ernennung zum Feuerwehrmann erfolgt per Handschlag durch den Bürgermeister.

Das ist also nicht nur irgendein Hobby, sondern eine hochoffizielle Sache. 😉

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In Thüringen gibt es seit 2010 sogar eine Feuerwehrrente, um die Freiwillige Feuerwehr attraktiver zu machen. Das Land und die Kommunen sparen für jeden Feuerwehrmann sechs Euro pro Monat, um ab dem 60. Lebensjahr eine kleine Zusatzrente auszahlen zu können. Trotzdem verliert Thüringen weiterhin pro Jahr rund 1.000 freiwillige Feuerwehrleute. Sehr schade, denn im Notfall verlässt sich ja jeder darauf, dass die Rettungskräfte überall und jederzeit vor Ort sind….

Papa jedenfalls ist sehr stolz auf sein neues Ehrenamt und mit Freude bei den Einsätzen, Übungen und Festen dabei. Und weil wir dank der Feuerwehr schon viele Dorfbewohner kennenlernen konnten, fühlen wir uns hier auch nicht mehr so fremd wie am Anfang.