Auf Spurensuche – Teil 4

Im März 2014, nachdem wir den Hof übernommen hatten, hatte ich mich bereits schon einmal mit Kamera auf die Suche nach alten Fundstücken aus dem letzten Jahrhundert gemacht. Das ist in Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Spurensuche nachzulesen. Nun haben wir beim Ausräumen des Obergeschosses noch einmal alte Sachen gefunden, wie zum Beispiel dieses Fläschchen Kölnisch Wasser…

Kölnisch Wasser

… und diese alten bemalten Glaskaraffen mit “Gruss aus Oberweissbach”.

Glaskaraffen

In einem alten Kleiderschrank fand sich ganz viel Wäsche, sowohl Anziehsachen von den Großeltern als auch Haushaltswäsche. Leider waren ihre alten Pelzmäntel bereits von Schimmel befallen. Aber vom Haushalt waren noch ganze Stapel Handtücher und Bettwäsche übrig, zum Teil unbenutzt, wie diese Geschirrtücher:

Geschirrtücher

Auf dem Dachboden sammelt sich jetzt kistenweise altes Porzellan, Bleikristall, Geschirr und Besteck, das wir aus dem ganzen Haus zusammengetragen haben.

Porzellan und Gläser

Einen tollen Fund haben wir überraschenderweise noch in einem alten Stall gemacht! Es handelt sich offensichtlich um Schilder, auf denen die Daten der Kühe vermerkt wurden. Die Handschrift darauf ist aus den Jahren 1973/74. Das hat doch Charme! 🙂

Schilder Kuhstall

Die Mühle und das Musikequipment

Ich hatte euch ja erzählt, dass wir einen Raum auf dem Hof haben, in dem eine alte Kornmühle steht und dass Besucher diesen Raum besonders faszinierend fanden. Heute habe ich ein paar Fotos von der Mühle für euch. Besonders schön in diesem Raum sind die langen, dicken Holzbalken und das geschwungene Holzgeländer der Treppe.

Mühlenraum

Eingang MühleDie Mühle vom Typ “Thuringia” ist geschätzt 100 Jahre alt und wird mit Elektromotor und Riemenantrieb betrieben. Momentan funktioniert sie nicht, da der Motor nicht mehr ans Stromnetz angeschlossen ist. Wenn man an den Riemen zieht, rieseln aber noch ein paar Getreidekörner heraus. 🙂

Schrotmühle

Thuringia

Wir nutzen den Raum zurzeit als Lager für unser Bandequipment. Zum Musikmachen haben wir durch das Bauen und unser Kind sowieso keine Zeit. :/ Hier bleiben die Sachen wenigstens trocken und stehen nicht im Weg rum. Irgendwann ist sicher wieder Zeit, um einen Proberaum einzurichten. Dazu muss aber erst mal sehr gute Schalldämmung eingebaut werden und das ist schon wieder eine andere Geschichte …

Band Lager

Das Angebot des zweiten Architekten

Ich hatte ja von unserer Skepsis bezüglich des ersten Architekten berichtet. Dann war vor einigen Wochen der zweite Architekt zur Besichtigung da und nun lag uns seit einer Weile sein Angebot vor.

Für alle, die den Ablauf nicht kennen: nachdem man sich einen Architekten gesucht hat, macht man mit ihm zunächst einen Begehungstermin vor Ort, damit er sich einen Eindruck verschaffen kann. Dabei klärt man ein paar grundlegende Dinge über das Bauvorhaben. Dieser erste Termin ist kostenlos und anschließend bekommt man eine erste Kostenschätzung bezüglich der gesamten Baukosten und der Architektenkosten. Die Kostenschätzung ist sehr grob und beruht darauf, dass der Architekt die Quadrat- und Kubikmeter der zukünftigen Wohnung mit einem Faktor verrechnet. Es werden aber überhaupt noch keine individuellen Details berücksichtigt, zum Beispiel ob man sich später wie der Prunk-Bischof Tebartz-van Elst einrichten möchte, denn selbstverständlich gibt es nach oben keine Grenzen! Wer sich Schreinerarbeiten für 350.000 Euro, eine freistehende Badewanne für 15.000 Euro, Kunstwerke für 450.000 Euro und einen Seilzug für einen Adventskranz für 50.000 Euro kauft und danach noch eine zweite Wohnung in den Fels darunter fräsen lässt, hat natürlich schnell Baukosten von 10.000 Euro pro Quadratmeter. 😀 Um den realen Endpreis geht es aber bei der ersten Kostenschätzung noch nicht, sondern es wird  ein Standardwert zur Orientierung berechnet. Genaueres weiß man später, wenn der Architekt wirklich mit der Planung beginnt.

Wir waren nun etwas irritiert, weil die Schätzungen der beiden Architekten um 143.000 Euro (!!!) auseinander liegen! Deshalb haben wir nachgefragt. Die Erklärung ist ganz einfach: der erste Architekt hat bereits kostenmindernd einberechnet, dass wir viel in Eigenleistung selber bauen wollen. Der zweite Architekt hatte geschätzt, was es kosten würde, wenn man alles von Firmen machen ließe und ihn für sämtliche Bauphasen beauftragen würde. So kam die große Differenz zustande und das machte das Vergleichen der beiden Angebote nicht gerade leichter. Mithilfe von Taschenrechner und Hirnschmalz haben wir uns aber durch das Zahlenwirrwarr gekämpft und sind zu dem Schluss gekommen, dass Architekt Nr. 2 bedeutend teurer ist. Wir werden also Architekt Nr. 1 beauftragen. Das war eine reine Preisentscheidung, denn fachlich waren beide in Ordnung.

Ein Blick in die Scheune

Heute habe ich ein paar Bilder aus der Scheune für euch. Ich bin neulich mehr oder weniger freiwillig zum ersten Mal die Leiter hoch in das obere Stockwerk gestiegen. Das Erdgeschoss hat eine Höhe von 4,30 m! Das ist für jemanden mit Höhenangst (wie mich) schon nicht so schön. Ich hätte es vielleicht auch gar nicht machen können, wenn nicht an der einen Ecke der Scheune eine Zwischenebene wäre, so dass ich zwei kurze Leitern nach oben krabbeln konnte. Hier ist ein Bild von der Zwischenebene aus mit Blick ins Erdgeschoss. Das in der Mitte ist der Brennholzvorrat.

Scheune Erdgeschoss

So und jetzt ein Foto von dem wunderbaren Obergeschoss. Es ist heller als erwartet dank ein paar Glasziegeln. Die Holzbauweise ist herrlich und es herrscht ein trockenes und gut durchlüftetes Klima.

Scheune ObergeschossTraktor von oben

Hereinspaziert!

“Willkommen zur Hofbesichtigung. Hinter dem Tor erwartet Sie ein circa einstündiger Rundgang, den wir im Wohnhaus beginnen. Bitte achten Sie darauf, wo Sie hintreten. Sie können jederzeit gern Fragen stellen und Fotografieren ist im gesamten Areal erlaubt. Die Schwindelfreien unter Ihnen können am Ende gern noch in der Scheune nach oben klettern …”

Nein, ganz so förmlich läuft es bei uns natürlich nicht ab! 😉 Wir hatten in den letzten Wochen ein paar Freunde und Verwandte zu Besuch, die den Hof besichtigt haben und spätestens nach der zweiten Führung fühlt man sich wie ein Touristen-Guide. Das ist ein lustiges Gefühl und macht riesigen Spaß. Wir haben uns über jeden Besucher sehr gefreut! Wirklich unglaublich, dass man bis zu einer Stunde für eine Tour einplanen muss.

Besucher

Neugierig und erstaunt waren alle bisherigen Besucher. Einige waren aufgrund des Zustands des Hauses abgeschreckt und wollten schnell wieder raus, andere wurden von der Abenteuerlust gepackt und wollten am liebsten hinter jede Tür schauen. Bei den Kreativen sprudelten gleich die Ideen für die spätere Einrichtung und Nutzung.

Lieblingsplätze der Besucher:

  • die Scheune wegen der Größe, Höhe und dem vielen Holz
  • der Garten mit seiner Weitläufigkeit
  • der Anbau mit der Mühle wegen den schönen Holzbalken und Holztreppen
  • der Dachboden wegen seiner Größe und der angenehmen Luft

Lieblingsobjekte der Besucher:

  • die alten Kachelöfen
  • die alten Türen
  • die alten Fliesen
  • die alten Möbel
  • herumliegende Zeugnisse vergangener Tage: Zeitungen, Fotos, …
  • die gut erhaltenen Holzbalken von Fachwerk und Dach sowie generell die Holzbauweise
  • der Blick auf den Fluss

Architekt gesucht… und gefunden?

Bevor bei uns der Umbau beginnen kann, benötigen wir einen Architekten. Nur: wie findet man den Richtigen? Ein Blick in die Gelben Seiten hilft da nicht wirklich weiter, schon eher der Blick ins Internet. Aber auch im Netz gibt es einfach eine unübersichtliche Fülle. Folgende Eigenschaften sollte unser Wunscharchitekt haben:

  • Er/Sie arbeitet in der Region.
  • Er/Sie hat schon viel Erfahrung mit der Sanierung von solchen oder ähnlichen Objekten.

Nicht mehr und nicht weniger.

Einen Einstieg bietet zum Beispiel die Architektensuche des Bund Deutscher Architekten, wo man nach Bundesland oder Fachgebiet suchen kann. Beim Blick auf die Thüringer Mitglieder wurde uns aber schnell klar, dass da nicht der Richtige dabei ist, denn hier finden sich eher Stadtplaner und Hochglanz-Architekten mit herausragenden Sanierungen denkmalgeschützter, öffentlicher Gebäude und modernsten Wohnbauten. Bei uns geht es ein wenig kleiner und bescheidener zu. Wir brauchen kein preisgekröntes Architekturbüro mit Referenzen in Shanghai, sondern jemanden, der für uns die Bausubstanz und Statik beurteilt und die Umbauplanung macht, sodass letztendlich eine Wohneinheit für eine Familie entstehen kann. Der Charakter des Hauses soll dabei größtenteils erhalten bleiben. Außerdem soll die Kreditbeschaffung bei der Bank vorbereitet werden.

Entwurf Planung

Zum Glück haben wir Freunde, die in der Nähe wohnen und bereits ein ähnliches Bauvorhaben realisiert haben. Da konnten wir uns einen Architekten empfehlen lassen. Besser geht es eigentlich nicht. Nach einem Blick auf seine Internetseite waren wir schnell überzeugt, dass das der richtige Mann ist. Die Fotos seiner Referenzprojekte zeigten uns, dass er Ahnung auf dem Gebiet hat. Deshalb vereinbarten wir einen Vor-Ort-Termin und besichtigten mit ihm den Bauernhof, damit er sich einen Eindruck verschaffen konnte. Begeisterung war seinerseits auf jeden Fall vorhanden, Sympathie unsererseits auch. Trotzdem blieb am Ende bei uns ein wenig Skepsis. Er wirkte etwas unorganisiert, weil er eine Stunde vor dem Termin angerufen hatte, um sich die Adresse noch einmal durchsagen zu lassen und um den Termin um eine halbe Stunde zu verschieben. Dann kam er trotzdem noch eine halbe Stunde zu spät. Anschließend kündigte er an, bis Montag das Angebot zu schicken. Es kam aber erst am Freitag, nachdem wir am Mittwoch telefonisch nachgefragt hatten.

Wie soll man sowas bewerten? Nicht auf die Goldwaage legen oder gleich Schlüsse auf seine gesamte Arbeitsweise ziehen? Es ist nicht leicht jemanden einzuschätzen, wenn man nur so einen kurzen ersten Eindruck hat. Da der Architekt aber so grundlegend für unser Bauvorhaben ist, werden wir auf jeden Fall noch mindestens einen anderen Kandidaten einladen.

Vom Grundriss zum 3D-Modell

Grundrisse sind ja schön und gut, aber um sich die Wirkung von Räumen besser vorstellen zu können, hilft ein 3D-Modell des eigenen Hauses enorm. Besonders, wenn es um Räume und Einrichtungen geht, die momentan noch gar nicht vorhanden sind. Wir wollten deshalb unbedingt als Planungshilfe unser Haus in 3D.

CAD Haus Außenansicht

Mithilfe der CAD-Software ArchiCAD, mit der man Gebäude am PC konstruieren kann, konnten wir das sehr gut umsetzen. Natürlich ist das nicht von heute auf morgen passiert, sondern hat viel Zeit in Anspruch genommen, bis schließlich jedes Geschoss und jedes Fenster so detailgetreu wie möglich modelliert waren.

CAD Haus Geschoss

CAD Haus Querschnitt

Wer sich mit CAD-Software nicht auskennt und es gern mal mit einem kostenlosen, leichter zu bedienenden Programm ausprobieren möchte, kann zum Beispiel den pCon.planner nehmen. (Natürlich gibt es auch zahlreiche andere Raumplanungsprogramme.) Wenn man mit der Erstellung der Räume fertig ist und vielleicht sogar ein paar Möbelmodelle und Einrichtungsgegenstände eingefügt hat, kann man sich fotorealistische Bilder mit Licht, Schatten und Texturen “rendern” lassen. Bei Profis sind diese künstlichen Bilder kaum von echten Fotos zu unterscheiden. Sogar Kamerafahrten durch die fertigen Räume sind damit schnell gemacht.

Fazit: Neben dem spielerischen Unterhaltungscharakter, den das Ganze hat, ist es wirklich ein wichtiges Planungselement. Denn der virtuelle Blick auf das zukünftige Haus kann so manche spätere Fehlentscheidung vermeiden. Wenn man beim Hausumbau mit einem Architekten zusammenarbeitet, kann man diesem das 3D-Modell und sämtliche Maße zur Verfügung stellen. So haben wir es auch gemacht, denn jede Arbeit, die man dem Experten abnimmt, spart Geld.

Die Vermessung des Hauses

Die Bauarbeiten haben noch nicht begonnen, die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange – höchste Zeit, alle Gebäude zu vermessen und Grundrisse zu erstellen! Die brauchen wir natürlich als Grundlage für alle geplanten Umbauarbeiten. Wir haben uns dazu ein Laser-Messgerät zugelegt, damit das Messen zügig und korrekt vonstattengeht. Denn wenn man ein komplettes Haus mit Anbauten vermessen will, sind ja hunderte Werte zu ermitteln. Außerdem wollten wir bei großen Strecken Ungenauigkeiten vermeiden, denn da müsste man zig mal den Zollstock weiterschieben.

Laser-Entfernungsmesser

Wir haben den Bosch PLR 25 Laser-Entfernungsmesser im Einsatz und sind sehr zufrieden. Er hat uns wirklich sehr viel Zeit erspart. Alle Messwerte wurden fix aufgeschrieben und dann haben wir mit ArchiCAD einen exakten Grundriss erstellt. Das hat natürlich schon etwas Zeit in Anspruch genommen. Wer keine Erfahrung im Umgang mit CAD-Software hat, kann auch einfach MS Visio oder ähnliches benutzen. Das tut’s genauso, lässt aber nicht die Darstellung so mancher architektonischer Details zu. Mithilfe von ArchiCAD lässt sich auch ein 3D-Modell des Hauses erstellen. Dazu beim nächsten Mal mehr.

Grundriss

Auf Spurensuche – Teil 3

Heute gibt es ein paar Fotos von Fundstücken, die wir zunächst einmal zuhause sichten mussten. Wir haben sehr viele alte Dokumente gefunden. Die Vielfalt war für uns unglaublich. Da wurde wirklich ein vergangenes Jahrhundert wieder lebendig: Briefe, Postkarten, Fotos, Notizbücher, Flurkarten, Verträge, Schulhefte, Ausweise, … Alles super interessant und wertvoll für uns. Zum Glück können wir die Sachen jetzt aufarbeiten, digitalisieren und sorgsam aufbewahren. Vielleicht rahmen wir später mal die interessantesten Stücke ein und hängen sie alle zusammen als Familien-Museum an die Wand. Das sieht sicherlich auch toll aus.

Die restlichen Fundstücke haben wir verstaut, alte Münzen mit Zahnpasta aufpoliert und sämtliche Fotos eingescannt. Die Bilder bekommen irgendwann noch mit Photoshop eine Restaurierung und können dann vielleicht als Fotobuch gedruckt werden. Das wäre toll, denn dann könnte man alle Infos zu den Bildern konservieren und sie vervielfältigen.

Taschenuhr

DDR Mark

Reichsmark

Alte Fotografien