Unsere Alpakas #1 – Wie es dazu kam

Noch einmal sind wir tier-reicher geworden. Nach Hund, Katzen und Hühnern sind jetzt drei Alpakas auf unseren Hof gezogen. Alpa-was?, fragt manch einer. Alpakas sind Nutztiere, die aus den Anden stammen, und gehören zur Familie der Kamele. Sie sind mit den Lamas verwandt, aber kleiner und man kann mit ihnen Wolle produzieren. Sie sind also sowas wie langhalsige Schafe, die manchmal spucken. Die meisten Alpakas in Deutschland werden aber nicht primär zur Wollproduktion gehalten, sondern zum Angucken, Streicheln und Gassigehen, weil die Menschen sie einfach so wahnsinnig knuffig finden. Ihre niedlichen Gesichter mit den großen Kulleraugen und ihr friedliches Wesen machen glücklich. Es gibt ein Sprichwort, das angeblich aus Peru stammt:

“Wer einmal einem Alpaka zu tief in die Augen schaut, der ist für immer von ihm gefesselt.”

Das halte ich für übertrieben, obwohl meine Alpaka-Geschichte vielleicht sogar ähnlich angefangen hat. Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass die Alpakahaltung in den letzten zehn Jahren in Deutschland deutlich zugenommen hat. Kennt nicht fast jeder mittlerweile eine Weide, einen Hof oder einen Streichelzoo, wo Alpakas leben?

Erntedankfest 2014 – Die Idee wurde geboren

Ich kann nicht genau sagen, wann ich zum ersten Mal ein Alpaka gesehen habe, aber an diese Begegnung auf dem Erntedankfest in Langewiesen kann ich mich gut erinnern. Es war eine Art Straßenfest mit Kunsthandwerkerständen, Kinderunterhaltung, einer kleinen Bühne, Bierbänken, Essen und Trinken. In einer Ecke im Kirchgarten gab es einen Stand von den “Alpakas von der Fahner Höhe”. Dort wurde Gestricktes aus Alpakawolle zum Kauf angeboten und daneben standen eingezäunt zwei Alpakas. Als Eltern mit einjährigem Kind ist man dort natürlich stehengeblieben: “Schau Sohn, das sind Alpakas! Al-pa-ka. Alpaka! Da kannste mal streicheln.” Ich blieb dann noch ein bisschen länger stehen, während der Sohnemann schon mit Papa zum nächsten Stand weiterlief, nahm mir schüchtern einen Prospekt und las mir die Infos zu den Tieren und ihrer Haltung durch. Zu diesem Zeitpunkt lebten wir noch in einer Mietwohnung und hatten gerade unseren Hof frisch überschrieben bekommen. Damals wie heute stand die Frage im Raum: was macht man denn nun mit so einem großen Hof? Sicherlich habe ich mich deshalb sehr dafür interessiert, was andere Leute auf dem Land so machen und Alpakas halten war einfach eine komplett neue Inspiration für mich, die mich nicht mehr losließ.

Alpaka Prospekt

Den Prospekt habe ich übrigens heute noch. Er liegt in meiner obersten Schreibtischschublade.

Das liebe Geld

Bei der Idee, Alpakas zu halten, blieb es dann erstmal. Denn Internetrecherchen zu dem Thema zeigten mir zwar, dass die Haltung angeblich nicht schwierig sei, aber der Preis der Tiere war dann doch überraschend hoch. Ich lernte, dass man Hobbytiere ab 800 Euro pro Exemplar kaufen kann und Zuchttiere natürlich teurer sind. Eine Zuchtstute würde es vielleicht so ab 3.000 Euro geben. Und da es Herdentiere sind, sollte man nicht auf ein einzelnes Alpaka sparen, sondern auf mindestens drei. Das war mir für ein Hobby dann doch zu teuer. Immerhin steckten wir zu dem Zeitpunkt jeden Euro in unseren Hausumbau. Der Alpaka-Plan war also erstmal gestrichen, aber der Wunsch blieb im Hinterkopf. Und sobald mich wiedermal jemand fragte, was wir mit dem Hof vorhaben, sagte ich halb im Scherz: Alpakas halten.

nanoblock Alpaca Alpaka

Juni 2015 – Ein Grundlagenkurs kann nicht schaden

Wenn man sich Alpakas anschaffen möchte, sollte man vorher einen Einsteigerkurs zur Alpakahaltung besuchen. Das ist eine gängige Empfehlung im Internet, also habe ich diesen Rat angenommen. Entsprechende Kurse werden von Alpakazüchtern landauf, landab angeboten, die sich damit noch ein bisschen Geld dazu verdienen. Über Google fand ich einen Alpakahof, der nicht allzu weit weg war und auf seiner Website Kurstermine anbot. Da die Teilnehmerplätze begrenzt waren, musste man sich vorher per E-Mail anmelden. Am 20. Juni 2015 war es dann so weit. Es ging mit dem Auto nach Brandenburg, wo ich zusammen mit anderen Interessierten einen Tag lang alles über Alpakahaltung und -pflege lernte. Das Seminar bestand hauptsächlich aus Frontalunterricht im Schulungsraum, aber es gab auch einen Rundgang über den Hof und die Weiden und man konnte viele Fragen stellen. Der Kontakt zu den Alpakas beschränkte sich auf kurzes Tätscheln. Am Ende gab es ein Teilnahmezertifikat.

Hinweis: In einigen Bundesländern ist es notwendig, die entsprechende Sachkunde vorweisen zu können, wenn man Kameliden halten möchte. Unbedingt vorher beim Veterinäramt erkundigen! Eventuell muss eine Sachkundeprüfung abgelegt werden.

Ich weiß heute gar nicht mehr genau, warum ich den Kurs damals besucht habe, wo doch gar nicht klar war, ob wir überhaupt Alpakas halten werden. Vielleicht wollte ich schon mal die nötigen Voraussetzungen schaffen und sicherlich wollte ich auch einfach mal Alpakas etwas näher sein, um herauszufinden, ob mir dieses Hobby auch von Nahem betrachtet gefällt. Offiziell hätte ich den Kurs nicht gebraucht, denn man darf in Thüringen Alpakas ohne Sachkundenachweis halten (zumindest privat – wie es gewerblich aussieht, weiß ich nicht).

Zertifikat Alpaka Grundlagenseminar

Die liebe Zeit

Danach wurde es erstmal ruhig um dieses Thema. Irgendwann hörte ich auf, mich auf http://alpacaseller.com nach Verkaufstieren umzuschauen, weil ich einfach kein Geld dafür übrig hatte. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, dass ich irgendwann 10.000 Euro zusammensparen könnte, um mir drei Zuchtstuten zu kaufen. Aber wann sollte das sein? Dann dachte ich, man könnte ja mit drei Wallachen anfangen. Das würde nur 3.000 Euro kosten und zumindest einen Einstieg in dieses Hobby ermöglichen, auch wenn man mit denen nicht die eigene Herde vermehren könnte.

Neben dem Geld stellte sich aber natürlich auch die Frage nach der verfügbaren Zeit. Würde man neben der Vollzeitarbeit überhaupt Zeit finden, um die Alpakas zu versorgen? Wann würde man nach ihnen sehen – morgens vor der Arbeit oder abends? Und hätte man dann ganz ehrlich überhaupt noch Kraft und Lust dazu? Papa war sehr skeptisch. Es gab viele Diskussionen. Und dann hatten wir durch die Geburt unseres zweiten Kindes im März 2016 sowieso genug Anderes um die Ohren.

Oktober 2016 – Ein Wink des Schicksals

Ganz plötzlich kehrte das Thema Alpakas aber in unser Leben zurück, als ich in einer Alpaka-Gruppe auf Facebook zufällig über einen Hilferuf stolperte. Ein Paar aus Brandenburg suchte aus gesundheitlichen Gründen dringend ein neues Zuhause für drei ihrer Alpakas. Der Preis war niedrig, also antwortete ich ihnen. Eigentlich schrieb ich ihnen auch nur deshalb eine Nachricht, weil ich insgeheim davon ausging, dass die günstigen Alpakas längst schon einen Abnehmer gefunden hatten. Dann kam die große Überraschung: die Alpakas waren noch zu haben! Da hatten wir nun den Salat. Wieder fanden tagelange Diskussionen mit Papa statt. Aber am Ende haben wir es tatsächlich gemacht und die Alpakas zu uns geholt!

Wie es weiterging, erzähle ich euch im nächsten Beitrag…